Lesung Adrian Zeyher am 04.08.2022

Sternmut-Literatur-Bunt 
 
Am Donnerstag, 04.August 2022 liest Adrian Zeyer aus seinem Buch „Schikane.“ Adrian Zeyher (38) wuchs in Waiblingen auf, verbrachte viele Jahre in Ludwigsburg und lebt nun in Gerlingen. Er studierte Produktdesign und arbeitet hauptberuflich in der Forschungsabteilung der Daimler AG in Sindelfingen. Sein Kriminalroman »Schikane« brachte er bei tredition heraus.  
Daneben gibt es nach dem neuen Konzept das Angebot zur „Malzeit“. Materialien werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der „Villa Barock“, Pflugfelderstrasse 5 in Ludwigsburg. Der Eintritt ist frei und jeder ist herzlich willkommen. 
    
 
»Schikane«
Kriminalroman
504 Seiten
ISBN: 978-3-347-07149-0
Gebundene Ausgabe: 23,99 €
Taschenbuch: 14,99 €
eBook: 2,99 €
 
 
Interview von Tabea Lerch mit Adrian Zeyer:
 
Eine Figur in deinem Roman sagt: »Das Leben ist ein Dschungel und wer nicht in der Lage ist, sich zu verteidigen, wird gefressen. So einfach ist das.« Kann man das als das Thema deines Buches ansehen?
 
    Als eines der Themen, ja. Mir war wichtig, auch ein Thema im Buch zu platzieren, das mir persönlich wichtig ist. Das ist das Mobbing. Ich halte Mobbing für ein völlig unterschätztes Problem. Vielen ist nicht bewusst, was man bei Menschen anrichtet, wenn man sie mobbt und ihnen über Jahre das Leben schwer macht. Mit meinem Buch wollte ich überspitzt aber deutlich darauf hinweisen, was Mobbing aus Menschen machen kann. Und was dabei herauskommen kann, wenn man jemanden mobbt.
 
Hat dein Buch autobiografische Züge? Warst du selbst Täter oder Opfer von Mobbing?
 
    Ganz klar Opfer in jungen Jahren. Das hat mich geprägt. In meinem Buch habe ich eigene Mobbing-Erfahrungen mit weiteren Erfahrungen von alten Freunden verwoben. Sie zeigen sich im Charakter des Kommissars Leonard, der selbst Mobbing-Opfer ist. 
 
Wie geht es dir heute damit?
 
    Ich bin da zwar relativ schnell rausgekommen, aber auch bei mir hat das Mobbing Spuren hinterlassen. 
 
Wie kamst du zum Schreiben?
 
    In meiner Kindheit war das Fernsehgucken zeitlich begrenzt und ich war viel krank. Darum hatte ich viel Zeit zum Lesen. Schon früh habe ich angefangen, mir Geschichten auszudenken. Als Jugendlicher begann ich, sie auch aufzuschreiben. Erst schrieb ich Drehbücher, die ich dann versuchte, einzureichen. Weil das nicht klappte, schrieb ich diesen Roman, den ich selbstständig veröffentlichen konnte. 
 
    Die Familie Wenger bewohnte ein hübsches Einfamilienhaus in der Ludwigsburger Weststadt. Leonard steuert seinen Wagen die Straße entlang, aus der das Opfer stammte und betrachtete gedankenverloren die Aneinanderreihung von netten Vorzeigehäuschen mit gepflegten Vorgärten und teuren Autos in der Einfahrt. Wenn es eine Straße gab, die sinnbildlich dafür stand, wie Leonard die schwäbische Idylle kennengelernt hatte, dann war es diese. 
 
Wie lange hast du an »Schikane« geschrieben?
 
    Ich habe mir sehr viel Zeit für die Konzeption genommen – Charaktergeschichten geschrieben, die Story strukturiert. Dafür habe ich mir fast ein Jahr Zeit genommen. Das reine Schreiben war dann überraschend einfach und hat nicht einmal ein Jahr gedauert. Ein Learning, das ich für künftige Projekte mitnehme. Und dann hat es nochmal ein Jahr gedauert, bis ich das fertige Buch in Händen halten durfte. 
 
Wie kann man sich deinen Schreibprozess vorstellen?
 
    Manche Freunde von mir sagen, ich sei ein Getriebener: Ich gehe tagsüber arbeiten, schreibe abends eine Runde und gehe dann noch Sport machen. Um mich in die Stimmung des Romans zu versetzen, arbeite ich viel mit Musik. Gleich zu Anfang habe ich eine Playlist erstellt, die die Stimmung einfängt und die ich immer beim Schreiben gehört habe. Übrigens die gleiche Musik, die meine Figur Leonhard im Buch in seinem Auto hört.
 
Beim Lesen fiel mir auf, das Empathie eine große Rolle in deinem Buch spielt. Kommissar Leonard ist sehr empathisch und kann sich unglaublich gut in die Gefühlswelt seiner Mitmenschen hineinversetzen. Was bedeutet dir Empathie?
 
    Das freut mich, dass du das bemerkt hast. Das ist tatsächlich ein wichtiges Thema für mich. Erst vor ein paar Tagen habe ich eine Statistik gelesen, dass empathische Fähigkeiten seit zwei Jahrzehnten in der Gesellschaft rückläufig sind. 
 
    Ich glaube, dass das ein massives Problem ist. Dass gerade Probleme wie Mobbing sich verschärfen, wenn die Leute verlernen, sich in ihr Gegenüber einzufühlen und auf ihre Mitmenschen zu achten. Das Thema Intelligenz wird immer groß geschrieben, wohingegen das Thema Feinfühligkeit gern übergangen und als unnütz wahrgenommen wird.
 
Wünscht du jedem Mobbing-Opfer einen Freund wie Veit, der ihn beschützt und mit Fäusten verteidigt?
 
    Ganz klar: jein. Natürlich hat es Leonhard geholfen, so einen Freund zu haben. Bis zu einem gewissen Grad ist physische Gewalt ein Ausweg aus dem Mobbing. Aber es ist kein gesunder Ausweg; es hilft nur für den Moment und kann nicht die Patentlösung sein.
 
    Was mir wichtig ist: Ich nehme nicht für mich in Anspruch, eine Lösung gegen Mobbing zu kennen. Wenn das so einfach wäre, hätten es schon viele getan. Mir war wichtig, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die verschiedenen Seiten zu betrachten. 
 
    Die Aufmerksamkeit liegt sehr auf der physischen Gewalt. Doch die psychische Gewalt, die eher im Verborgenen stattfindet, sollte meiner Meinung nach mehr in den Vordergrund gerückt und als das betrachtet werden, was sie ist: ein riesiges Problem. Weil sie Menschen noch mehr schadet. 
 
    Ein blaues Auge heilt wieder. Klar hinterlässt auch das Spuren im Kopf. Aber weitaus weniger als wenn dich Leute Tag für Tag fertig machen.
 
    Ich wusste, würde ich es tun, gäbe es kein Zurück mehr. Mein Leben würde hier enden, in diesem lächerlichen Kaff mit seinen Schlössern und der heilen Welt, in der die Menschen hier leben, aber das machte mir nichts aus. 
 
Wenn du wählen könntest zwischen deinem Hauptjob in der Industrie und dem Romanschreiben, was wäre deine Wahl?
 
    Das fällt mir unfassbar schwer. Ich habe ein Faible für Interieurs und die Entwicklung von Autos und fühle mich in meinem Job sehr wohl. Und ich liebe aber auch das Schreiben. Wahrscheinlich würde ich mich für das Schreiben entscheiden. Gerade finde ich es aber sehr schön, dass ich beides parallel machen kann. Der Job gibt mir die Möglichkeit, das völlig frei zu machen, wie ich es mir vorstelle. Ich musste keinen Kompromiss eingehen und durfte das Buch genau so machen wie ich es wollte. Das hat sich richtig und gut angefühlt.
 
Was dürfen wir als nächstes von dir erwarten? Hast du schon eine weitere Geschichte im Kopf?
 
    Ich habe tatsächlich eine kleine Kiste, in der ich über die Jahre viele Ideen auf Zetteln gesammelt habe. Gerade habe ich mit einem neuen Projekt begonnen. Ich sitze derzeit also viel mit Kugelschreiber und Papier auf der Couch und konstruiere eine neue Geschichte. Mir ist immer wichtig, dass ich neben der eigentlichen Geschichte ein interessantes Thema bearbeitete. 
 
    Dafür habe ich jetzt eine ganz neue Geschichte im Kopf. Kein Krimi, aber auch kein klassischer Roman. Diese Woche bin ich mit der Grobkonzeption fertig geworden und fange nun an, die einzelnen Kapitel auszuarbeiten. Es wird mit Sicherheit noch ein, zwei Jahre dauern, bis es fertig ist. 
 
Spielt die Geschichte auch wieder in Ludwigsburg?
 
    Da bin ich noch unentschlossen. Ich habe mich damals in Ludwigsburg unfassbar wohl gefühlt und mag das Kleinstadtflair der Stadt. Wir werden sehen … 
 
Adrian, ich danke dir für das Interview.
 
 
 
Hier den Ludwigsburger Krimiroman kaufen
 
Adrian Zeyher hat sein erstes Buch »Schikane« bei tredition herausgebracht. 
 
In Ludwigsburg bekommst du sein Buch im Museumshop des Ludwigsburger Residenzschlosses und bei Thalia in der Kirchstraße, sowie auf Bestellung in jeder Buchhandlung.